Vom Fahrrad mit Korb zum Drogerie-Imperium

Dirk Rossmann
Es ist mir auch wichtig, nicht zu früh aufzugebenDirk Rossmann

Der Gründer unserer Drogerien, Dirk Rossmann (geboren 1946), sagt immer wieder, dass er „als Mensch freundlich, als Rivale nicht nett ist". Er liebt verwaschene Jeans, hasst Krawatten.

Er wurde in einer Unternehmerfamilie in Hannover geboren. Er wuchs in einer Wohnsiedlung mit 50 Einfamilienhäusern am Rande der Stadt auf. Seine Großeltern väterlicherseits hatten eine Apotheke. Er war 12 Jahre alt, als er sein erstes Geld verdiente. Er erinnerte sich in „Der Tagesspiegel": „Meine Eltern hatten eine Apotheke, die Preise waren gesetzlich geregelt. Ich war 12 Jahre alt und bettelte meine Mutter an, Produkte 10 Prozent billiger als andere zu verkaufen. Ich reinigte die Speisekammer zu Hause, um die Waren dort zu lagern. Jeden Freitag stieg ich auf mein Fahrrad mit einem Korb und fuhr um die Nachbarn in unserer Straße herum. Manchmal habe ich ihnen einfach einen Rabattcoupon gegeben. Ich erreichte schnell mehr als Tausend Mark zum Monatsabschluss. Heute weiß ich, dass es Schwarzarbeit war."

Er war 14 Jahre alt, als er begann, das Apothekerhandwerk zu erlernen. Er ging nicht zum Studium, weil er, wie er erwähnte, das Familienunternehmen übernehmen wollte. - Ich verstand nicht, was die Lehrer von mir wollten, ich stand nicht gerne früh auf. Wenn ich morgens einen Flug habe, bin ich abends schlecht gelaunt. Ich weiß, dass es Disziplin geben muss, aber irgendwie gefällt sie mir nicht besonders", sagte er 2009 in einem Interview mit dem „Handelsblatt".

Dirk Rossmann

Er war 18 Jahre alt, als er seine erste Wohnung kaufte. 1972, als die Regierung die Preise für Drogeriewaren freigab, eröffnete er seine erste eigene und zugleich erste Selbstbedienungs-Drogerie in Deutschland (200 qm). Es kamen so viele Kunden, dass am Ende des Tages 20.000 Mark statt der erwarteten 2-3.000 Mark in der Kasse waren.

Zehn Jahre später betrieb Dirk Rossmann bereits 100 Drogeriemärkte in Norddeutschland. In einem Interview mit „Die Welt" gestand er nach Jahren ein, dass die wirtschaftliche Freiheit zum Erfolg seines Unternehmens beigetragen hat: - Man kann sagen, dass Rossmann und andere Drogerieketten, die später auf dem Markt entstanden sind, deshalb entstanden, weil die Unternehmen die Freiheit bekamen, ihre Preise unabhängig zu bestimmen", sagte er.

In Interviews bezieht er sich immer noch gerne auf Schopenhauer. Für das „Handelsblatt" sagte er: „Schopenhauer sagte einmal, dass Menschen keinen Erfolg haben, weil sie zu früh aufgeben. Für mich ist es auch wichtig, nicht zu früh aufzugeben."

Vielleicht hat diese Philosophie sein Familienunternehmen in den 90er Jahren gerettet - Jeder, der erfolgreich ist, kennt kritische Situationen - pflegte Dirk Rossmann den Journalisten zu sagen.

Und es sind keine leeren Worte. Anfang der 90er Jahre gestand Dirk Rossmann: - Ich habe an der Börse spekuliert, ich habe gewonnen, ich habe verloren, das Unternehmen hat gelitten" (diese Worte zitiert das Wirtschaftsportal impulse.de).

Statt Arbeitsplätze abzubauen, schuf Dirk Rossmann ein Ausbildungszentrum und ein Blatt für Mitarbeiter. Auf dem Höhepunkt der Krise flog er mit 350 Filialleitern nach Paris ins Disneyland, was ihn 800.000 Mark kostete. Damals hielten es alle für eine verrückte Idee, aber heute sagt Dirk Rossmann, dass es gut investiertes Geld war, weil seine Mitarbeiter immer noch hinter ihm stehen.

Dirk Rossmann

„Augsburger Allgemeine” beschreibt, dass Rossmann in den 90er Jahren freitags oft nicht wusste, ob er montags Geld für Löhne/Gehälter hat. Einige Jahre später sagte Dirk Rossmann, dass seine Frau Alice ihm damals Mut gemacht habe. Sie sind 33 Jahre lang verheiratet. Er begann sich für die Märkte in Osteuropa zu interessieren. 1993 eröffnete er sein erstes Geschäft in Łódź. Die Einführung eigener Produktmarken war hilfreich.

Wenn Journalisten ihn fragen, ob er sparsam ist, antwortet er, dass er einen schönen Mercedes hat, aber er fährt ein Auto sogar acht Jahre und mehr, weil er nicht versteht, warum Menschen alle vier Jahre das Auto wechseln.

Ich bin nicht geizig, aber ich brauche nicht viele Dinge. Geben Sie mir ein gutes Buch, das genügt mir. Dirk Rossmann im Interview für „Handelsblatt” im Jahre 2009

Einladungen zu deutschen Fernsehsendungen nimmt er gerne an, weil er sich über die stereotype Darstellung reicher Leute ärgert. - Meine Frau und ich haben weder eine Villa im Ausland noch ein Privatflugzeug. Wir leben in einem Haus, das wir vor über 30 Jahren gebaut haben. Es gibt viele wohlhabende Menschen, die normal geblieben sind", sagt er.

Das deutsche Wirtschaftsmagazin "Wirtschaftswoche" schrieb im Jahr 2014 über ihn: „Er hat keinen Privatjet, keinen Rolls-Royce, man hört nichts über seine Eskapaden. Dirk Rossmann ist ein Milliardär, der gerne Steuern zahlt.” im selben Jahr berichteten die deutschen Medien: „Dirk Rossmann fordert höhere Steuern für die Reichen.” - Die Steuern sollten anständig gezahlt werden - und die Reichen sollten etwas mehr als bisher zahlen. Wenn der Gesetzgeber sagt: „So sind die Steuern", dann müssen sie von allen gezahlt werden", zitierte die „Hannoversche Allgemeine” seine Worte. Die Zeitung schrieb „Für Rossmann ist ehrliche Zahlung von Steuern eine Voraussetzung für die ganze Gesellschaft”. Dirk Rossmann betont, dass ihm das Prinzip des sozialen Ausgleichs zwischen Starken und Schwachen, Reichen und Armen wichtig ist. Vor allem den Reichen und den Armen - das ist entscheidend. - Die soziale Marktwirtschaft, wie Ludwig Erhard sie einmal erfunden hat, ist mir sehr wichtig - er wiederholt es gerne.

Dirk Rossmann ist ein Tennis- und Skateboardliebhaber und Miteigentümer des örtlichen Fußballvereins in Hannover. Er hat zwei Söhne. Beide gehören dem Vorstand des Familienunternehmens an.